Bei vielen beliebten KI- und Halbleiteraktien kam es im Juli zu starken Kursverwerfungen, die Hedgefonds ebenso trafen wie unbedarfte Privatanleger. Ende Juli wurde zudem bekannt, dass der Hedgefonds eines als Wunderkind gehandelten Mittzwanzigers Milliarden verloren hat. Das Bild von Ikarus drängt sich auf: Wer der Sonne zu nahe kommt, verbrennt sich früher oder später die Flügel.
Getroffen hat es vor allem Indizes mit hohem Technologie- und Halbleiteranteil, etwa die Länderindizes Koreas und Taiwans, den MSCI Emerging Markets und den Nasdaq 100. Value und Momentum, seit Jahresbeginn mit starker Überrendite, mussten einen kräftigen Rücksetzer verkraften, vor allem weil Halbleiteraktien in beiden Faktorindizes sehr stark gewichtet sind; einzig die gleichgewichtete Multifaktorstrategie schloss den Monat im Plus. Aktive Manager mit nennenswertem Halbleiteranteil verloren ebenfalls, im Vergleich zu ihren Benchmarks aber überschaubar; der CT Global Technology Fund büßte zum Beispiel weniger ein als der Nasdaq 100.
Spiegelbildlich meldeten sich die Verlierer zurück: breit gestreute Rohstoffinvestments und Kupferminenaktien, rohstofflastige Aktienmärkte wie Lateinamerika und die Frontier-Märkte, dazu europäische Aktien, der Gesundheitssektor und Indien. Bei den Aktien von Vermögensverwaltern, die in den Private Markets aktiv sind, zeichnet sich eine klare Bodenbildung ab. Kurz gefasst: Technologie schwach, das „alte“ Europa und die Rohstoffmärkte stark.
Unruhe kam auch von der Zinsseite. Kevin Warsh hatte die Anleihenmärkte bei seiner ersten Ansprache positiv überrascht und sich als Inflationsfalke positioniert. Auf der Pressekonferenz der Fed Ende Juli wirkte er dagegen unentschlossen. Die von einigen Marktteilnehmern erwartete einmalige Zinserhöhung als eine Art Inflationsversicherung blieb aus. Der Anleihenmarkt verkaufte daraufhin vor allem lang laufende US-Staatsanleihen: Zehnjährige rentieren wieder klar über 4,5 % p. a., Dreißigjährige klar über 5 % p. a. Dahinter steht ein starker Vertrauensverlust gegenüber der US-Regierung und der Notenbank.
Die Verunsicherung zeigte sich auch in der Stabilisierung von Gold und anderen Rohstoffen. Öl und Gas profitierten zusätzlich vom wieder aufflammenden Irankonflikt. Beim Gold hielt die Unterstützung bei 4.000 US-Dollar; der Bloomberg Commodity Index brach nach oben aus und notiert klar über seiner 200-Tage-Linie. Der Monat hat gezeigt, dass eine gewisse Rohstoffallokation sinnvoll sein kann. Aufbauen lässt sie sich am besten in Schwächephasen, statt den Kursen hinterherzulaufen. Bitcoin stabilisierte sich zwar über 60.000 US-Dollar, spielt für eine Portfoliostrategie aus unserer Sicht derzeit aber keine Rolle.
Für Übermut spricht trotzdem wenig. Auf Indexebene wirken viele Märkte normal, aber nicht günstig bewertet; einzelne Halbleitertitel und beliebte Themenaktien sind so teuer, dass dort noch erheblicher Spielraum nach unten besteht. Breit gestreute, globale Portfolios sind die nüchterne Antwort darauf. Charttechnisch prallten viele Indizes Ende Juli zwar von ihrer 200-Tage-Linie nach oben ab, wechselten gemessen am sogenannten Relative-Stärke-Index aber binnen weniger Tage von überverkauft zu überkauft. Eine Verschnaufpause wäre daher keine Überraschung – zumal das dritte Quartal traditionell als eher volatil gilt und zum Monatswechsel noch ein guter Teil davon bevorstand.
Den besten Wegweiser liefern die Bewertungen. Unsere Hochhauscharts zeigen zum Monatswechsel, dass die Sicherheitsbausteine – im Konzept der FAIRHorizonte die Stufen Lila bis Grün – durchweg über der erwarteten mittelfristigen Inflationsrate von etwa 2 % p. a. rentieren; selbst Geldmarktanlagen liegen nahe an den aktuellen Inflationsraten und bieten damit Kaufkrafterhalt. Anleihen bleiben deshalb als Gegengewicht zu den Risikobausteinen gefragt, wobei wir kurze bis mittlere Laufzeiten, Sondersegmente und Anleihen aus Entwicklungsländern lang laufenden Staatsanleihen vorziehen.
Für die Renditebausteine der FAIRHorizonte Gelb bis Rot streben wir langfristig 6 bis 8 % p. a. an, was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 bis 17 entspricht. Das ermöglichen die meisten Renditebausteine – nicht aber Nasdaq 100, S&P 500, MSCI World und MSCI World Quality, die deshalb in den nächsten Jahren hinter anderen Märkten zurückbleiben könnten, auch wenn sie die profitabelsten Unternehmen der Welt bündeln. Aktien aus Europa, Asien und den Entwicklungsländern weisen dagegen Risikoprämien von 7 bis 8 % p. a. auf; hier sehen wir uns aus Bewertungssicht weiterhin auf der Käuferseite.
Ob Indexing in der Tradition von Vanguard-Gründer Jack Bogle, wissenschaftliches Faktorinvestieren nach Fama und French oder die Konzentration auf wenige Wertpapiere im Stil von Buffett, Munger und Bessembinder: Alle drei Ansätze führen nach unserer Überzeugung auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Erfolg, und alle drei kennen Phasen der Enttäuschung. Im Juli traf es Value und Momentum, während ein Teil der aktiven Manager, die Halbleiter und KI bewusst meiden, im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinterherhinkt. Die Dimensional World Allocation Fonds, unsere Standard-Musterportfolios, haben dagegen in allen sechs Bausteinen bislang ein außerordentlich gutes Jahr. Den Anlagestil wegen eines enttäuschenden Monats zu wechseln, hieße, ein langfristig tragfähiges Prinzip gegen eine kurzfristige Stimmung einzutauschen.
Den vollständigen Bericht mit Informationen zu den Modellportfolios und detaillierten Bewertungsübersichten stellen wir Ihnen auf Anfrage zur Verfügung.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.
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