Nach dem Iran-Schock im März stellte sich für viele Anleger weniger die Frage "kaufen oder verkaufen", als die ältere und schwerere: an der eigenen Strategie festhalten oder die Reißleine ziehen? Der April hat darauf eine ungewöhnlich klare Antwort gegeben: Wer vom Dimensional World Equity Portfolio in den MSCI World gewechselt wäre, läge per Ende April rund drei Prozentpunkte zurück. Der CT Global Technology Fund liegt mit rund 30 Prozent Wertzuwachs seit Jahresbeginn etwa 23 Prozentpunkte vor dem Nasdaq 100.
Die Erholung im April war breit. Immobilienaktien legten im Gleichschritt mit den globalen Aktienmärkten zu, die Aktien gelisteter Private-Equity-Häuser stabilisierten sich nach dem Ausverkauf zum Jahresanfang, der Momentum-Faktor verzeichnete zweistellige Zugewinne nach einem schwachen Quartal. Der Value-Faktor baut seinen Vorsprung seit Anfang 2025 weiter aus. Auch die Verlierer des Vorjahres – indische Aktien, Immobilienaktien (REITs), Quality-Faktor-ETFs und Quality-Manager, der Gesundheitssektor sowie gelistete Private-Equity-Häuser – bleiben in unserer Bewertung attraktiv bis sehr attraktiv.
Zwei Beobachtungen verdienen Aufmerksamkeit. Die Bewertungen sind nicht mehr günstig. Was Anfang April nach attraktiven Einstiegspunkten aussah, lässt sich nach der Rallye nüchtern als normalisiert beschreiben. Langfristige Anlagen bleiben sinnvoll, sind aber nicht mehr dringlich. Der CNN Fear & Greed Index hat den Stimmungsumschwung in wenigen Wochen vollzogen: Ende März stand er auf "absoluter Angst" inzwischen zeigt er "Gier". Hinzu kommen technisch überkaufte Segmente, die saisonal schwächere Sommerperiode und ein Iran-Konflikt, der Öl- und Gaspreise erhöht hält. Die Konstellation rechtfertigt keine Risikoausweitung.
Zugleich liegen die laufenden Renditen unserer Sicherheitskomponenten unabhängig vom Anlagehorizont oberhalb der mittelfristigen Inflationserwartung von rund 2 % p. a. Sogar Geldmarktanlagen rentieren über der aktuellen Inflationsrate; die Kaufkraft im Sicherheitsteil eines Portfolios ist damit geschützt, auch falls Öl und Gas dauerhaft teurer bleiben. Im Renditebereich entsprechen unsere Zielrenditen von 6 bis 8 % p. a. Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 14 und 17 – Niveaus, die in den meisten Marktsegmenten weiterhin erreichbar sind. Nasdaq 100, S&P 500 sowie MSCI World und MSCI World Quality liegen darunter und könnten in den kommenden Jahren entsprechend zurückbleiben. In Europa, Asien und den Schwellenländern hingegen liegen die Risikoprämien zwischen 7 und 8 % p. a. Grund genug, hier komfortabel auf der Käuferseite zu bleiben.
Bei der Umsetzung empfehlen wir Indexierung am Geldmarkt, aktive Verwaltung im Anleihebereich und eine Kombination aus Indexieren und Stockpicking auf der Aktienseite. Auf der Währungsseite bleibt Diversifikation in CHF, SGD, AUD und NOK ein nüchternes Werkzeug; der US-Dollar pendelt zwischen 98 und 100 Punkten im DXY und ist strukturell anfällig. Die hohe US-Verschuldung und die Kaufkraftparität sprechen gegen eine dauerhaft starke Währung.
Bleibt die unspektakuläre Schlussfolgerung. Drei etablierte Anlagephilosophien – klassisches Indexieren in der Tradition Jack Bogles, faktorbasiertes Investieren nach Eugene Fama und Kenneth French, konzentrierte aktive Mandate im Geist von Warren Buffett, Charlie Munger und Hendrik Bessembinder – funktionieren langfristig zuverlässig, auch wenn jede einzelne über kurze Zeiträume enttäuschen kann. Wer aus dieser Enttäuschung den Kurs wechselt, gibt genau das auf, wofür er die Strategie ursprünglich gewählt hat.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.
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