Die Karten werden neu gemischt
Das Quartal begann verheißungsvoll und endete mit einer geopolitischen Zäsur. Der Angriff auf den Iran hat nicht nur Öl- und Gaspreise bewegt, sondern Märkte berührt, an die im ersten Moment niemand denkt: Düngemittel, Helium für Krankenhäuser, Halbleiterfertigung. So beiläufig hängt die Welt zusammen, und so plötzlich verschiebt sich, was bis Februar als gesetzt galt.
Wer in den ersten Wochen des Jahres die Performancelisten studierte, sah zweistellige Zugewinne bei Gold- und Kupferminen, bei Halbleiter- und Korea-Aktien. Im März folgten kräftige Korrekturen. Die meisten dieser Segmente liegen seit Jahresbeginn dennoch im Plus, in Teilen sogar deutlich. Die schmerzhafte Seite des Quartals traf die üblichen Verdächtigen: Technologie- und unprofitable Wachstumstitel, einzelne europäische Märkte mit Deutschland an der Spitze, sowie Indien, das ohnehin schwer ins Jahr fand. Lateinamerika dagegen legte hoch zweistellig zu – eine Region, die in deutschen Portfolios traditionell unterrepräsentiert ist.
Bemerkenswert ist die zweite Geschichte des Quartals: die der unscheinbaren Gewinner. Langlaufende europäische Staatsanleihen liegen seit Jahresbeginn im Plus, weil sie Anfang des Jahres günstig bewertet waren und in Krisenphasen als stille Versicherung wirken. Der MSCI World Value Factor steht bei +1,87 %; und zum ersten Mal seit Gründung von Das Family Office übertreffen die breit gestreuten Faktorindizes von Dimensional Fund Advisors die klassischen MSCI- und FTSE-Indizes um knapp fünf Prozentpunkte. Das ist kein Zufallsergebnis, sondern die Bestätigung einer Disziplin, die jahrelang als unattraktiv galt.
Ein weiterer Befund verdient Aufmerksamkeit: Rüstungsaktien profitieren bisher nicht vom Krieg. Die Bewertungen sind so weit gelaufen, dass Anleger Gewinne mitnehmen, vermutlich auch zur Bedienung von Margin Calls. Wer auf Zukunftsthemen schaut, ist mit der Optimierung der Energienetze und Smart-Grid-Infrastruktur seit 2010 deutlich besser gefahren als mit Ölunternehmen. Auch Technologie ist nach den jüngsten Korrekturen wieder erschwinglich.
Bei den Anleihen lohnt der nüchterne Blick auf die Inflationserwartungen. Wer in der Tankstellenschlange steht, schließt zwingend auf eine neue Inflationswelle. Die aus inflationsindexierten Anleihen abgeleitete Break-even-Rate zeigt jedoch nur einen marginalen Anstieg auf knapp über 2 % p. a. Beide Wahrnehmungen sind real; nur eine ist marktrelevant. Geldmarktanlagen rentieren erwartungsgemäß positiv, klassische Anleihen mit normaler Duration haben zwischen null und einem Prozent verloren – überschaubar angesichts der Nachrichtenlage.
Die unangenehmste Story bleibt der Private-Markets-Bereich. Private-Credit-Manager kämpfen weiter mit Rückgabewünschen, die nur graduell bedient werden können. Das ist kein Managementfehler, sondern eine Eigenschaft der Anlageklasse, auf die in jedem Prospekt ausdrücklich hingewiesen wird. Wer Illiquidität emotional nicht aushält, gehört nicht hinein. Aktien börsennotierter PE-Häuser haben unter dem Vertrauensbruch gelitten und werden auf längere Sicht interessant, sobald sich die Lage stabilisiert.
Auf der Währungsseite hat sich der US-Dollar stabilisiert und profitiert aktuell vom Konflikt; strukturell spricht angesichts der amerikanischen Verschuldung und der Kaufkraftparität wenig für eine dauerhaft starke Währung. Diversifikation in CHF, SGD, AUD und NOK bleibt ein nüchternes Werkzeug, kein modisches Statement. Bei Lombardfinanzierungen ziehen wir derzeit CHF, SGD und HKD dem Yen vor. Bitcoin pendelt zwischen 60.000 und 70.000 USD und sucht seine Richtung; unser Stratege Rainer Michael Preiss, der den Kauf bei 1.000 USD im Jahr 2017 verteidigte, neigt heute eher zur Verkaufsseite. Edelmetalle korrigierten zum Quartalsende, doch bei rund 4.000 USD je Unze kehren langfristige Käufer zurück.
Was bleibt, ist die zentrale Botschaft des Quartals: Wer seine Anlagephilosophie aus Enttäuschung wechselt, verliert. Wer von der Dimensional-Strategie in den MSCI World gewechselt wäre, hätte fünf Prozentpunkte liegengelassen. Indexieren am Geldmarkt, aktiv im Anleihebereich, eine Mischung aus Index und Stockpicking auf der Aktienseite – das ist die Empfehlung, die wir uns selbst geben, und entlang unserer FAIRHorizonte sortiert nach Anlagehorizont und Risikotragfähigkeit.
Den vollständigen Quartalsbericht stellen wir Ihnen auf Anfrage persönlich zur Verfügung. Gleichzeitig prüfen wir gerne, wie Ihr Portfolio nach dem Iran-Schock aufgestellt ist.
Disclaimer: Dieser Kommentar dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
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