August 2026: Die Aktien atmen durch, die Staatsanleihen nicht

Mario Becker
04.09.2026
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5 min

Nach den Verwerfungen Ende Juli, die mehrere prominente Hedgefonds hart getroffen hatten, präsentierte sich der August unerwartet ruhig. Alle relevanten Indexfamilien wie MSCI und FTSE Russell verbuchten mit ihren globalen Strategien Kursgewinne; seit Jahresbeginn liegen globale Aktienstrategien damit wieder klar im zweistelligen Plus und deutlich über den langfristigen Durchschnitten von 6 bis 8 %. Die im Juli gebeutelten Halbleiterhersteller stabilisierten sich, und die Erholung bei Private-Equity- und Gesundheitsaktien setzte sich fort. Schwach waren lediglich indische und lateinamerikanische Aktien sowie Immobilienaktien.

Für die Ausrufezeichen sorgten Gold- und Edelmetallproduzenten. Nach extrem schwachen Vormonaten, in denen viele Anleger bereits überlegten, sich von diesen schwankungsreichen Positionen zu trennen, folgte eine regelrechte Kursexplosion. Gold und Bitcoin profitierten erheblich von der neuen Unsicherheit nach dem schwachen Auftritt von Kevin Warsh und von den wenig glücklichen Versuchen von US-Finanzminister Scott Bessent, den japanischen Yen und lang laufende US-Staatsanleihen zu stabilisieren. Die Lehre ist alt und bleibt unbequem: Wertpapiere kauft man am besten, wenn sie günstig sind, auch wenn es sich nicht gut anfühlt. Genau dafür gibt es unsere Bewertungsampel: Sie schafft Orientierung und hilft, Gefühle außen vor zu lassen.

Bei den Aktienfaktoren kam Momentum nach dem Rücksetzer im Juli auch im August nicht in Tritt, während Value, Quality und Size einen guten bis sehr guten Monat verbuchten. Bemerkenswert ist der Value-Faktor, der im Fünfjahresvergleich zu den stärksten Faktoren zählt – ein Argument, bewährte Strategien auch dann zu berücksichtigen, wenn sie über längere Zeit hinterherhinken. Wir haben unser Beratungsuniversum deshalb um eine globale Value-Strategie für kleinere Unternehmen ergänzt.

Keine Atempause gab es an den Anleihenmärkten. Nach der missglückten Fed-Pressekonferenz im Juli setzten globale Staatsanleihen ihren Rückwärtsgang fort; zehnjährige Staatsanleihen rentieren in vielen wichtigen Volkswirtschaften wieder auf einem Niveau wie etwa 2007/2008. Dabei hatten manche Marktteilnehmer vor wenigen Jahren noch dauerhaft Langfristzinsen um 0 bis 1 % p. a. vorausgesagt. Deutlich gestiegen sind die sogenannten Laufzeitprämien, also der Renditeaufschlag für lange Bindungsfristen. Während Covid und der Niedrigzinsphase waren sie vollständig verschwunden. Die Skepsis gilt der Tragfähigkeit der Staatsschulden in den USA und Japan, auch Frankreich zählt zu den Sorgenkindern.

Historisch sind solche Prämien kein Ausnahmezustand: In den 1970er Jahren spiegelten sie die Sorgen um Ölkrise und Inflation wider, nach dem Mauerfall sanken sie in einer langen Phase der Disinflation. Weil die Inflation heute erheblich niedriger, die Staatsverschuldung aber erheblich höher ist als in den 1970er und frühen 1980er Jahren, sollte eine Laufzeitprämie womöglich eher das Risiko einer Restrukturierung von Staatsanleihen berücksichtigen als das Inflationsrisiko.

Wie sehr sich die Gewichte verschoben haben, zeigt ein Fünfjahresvergleich: US-Dollar-Staatsanleihen von Entwicklungsländern haben sich erheblich besser entwickelt als die der Industrieländer. Der Vanguard Emerging Markets Bond Fund kommt im Fünfjahresdurchschnitt auf +1,71 % p. a., der Vanguard Global Bond Index Fund auf −2,16 % p. a.; die meisten Entwicklungsländer sind erheblich niedriger verschuldet als viele Industriestaaten. Wer am Anleihenmarkt schlicht einen Index kauft, investiert zwangsläufig stärker in höher verschuldete Emittenten. Systematisch oder aktiv zusammengestellte Anleihenportfolios erzielen häufig die besseren Ergebnisse, vor allem zu institutionellen Konditionen.

Wann die Ausweitung der Laufzeitprämien endet, lässt sich kaum beurteilen. Da kurze und mittlere Laufzeiten bereits attraktiv erscheinen, halten wir uns bei lang laufenden Anleihen zurück, solange die Ausweitung anhält. Anleihen aus Entwicklungsländern und Hochzinsanleihen können Aktienportfolios aus unserer Sicht sinnvoll ergänzen. Auf der Aktienseite hielten wir zum Monatswechsel eine Verschnaufpause im September für möglich, da sich Öl und Gas mit der neu entflammten Irankrise wieder stark verteuert hatten und die Charttechnik vieler breiter Indizes auf eine gewisse Konsolidierung hindeutete.

Maßgeblich bleiben die Bewertungen. Laut unseren Hochhauscharts rentieren die Sicherheitsbausteine der FAIRHorizonte Lila bis Grün zum Monatsende allesamt über der mittelfristig erwarteten Inflation von etwa 2 % p. a. Bei den Renditebausteinen (FAIRHorizonte Gelb bis Rot) halten wir an einer Mindestzielrendite von 6 % p. a. fest; die aktuellen Bewertungen des Großteils der Renditebausteine lassen das zu, während Nasdaq 100, S&P 500, MSCI World und MSCI World Quality deutlich darunter bleiben. Bei europäischen und asiatischen Aktien sowie Titeln aus Entwicklungsländern liegt die Risikoprämie, also die Zielrendite, bei 7 bis 8 % p. a., und auch die Verlierer des Jahres 2025, etwa indische Aktien, der Gesundheitssektor oder gelistete Private-Equity-Gesellschaften, sind weiterhin attraktiv bis sehr attraktiv bewertet.

Der August liefert damit eine doppelte Lehre. Wer in schwachen Phasen bei Goldminen oder beim Value-Faktor geblieben ist, wurde belohnt; wer Staatsanleihen der Industrieländer reflexhaft als Ruhepol betrachtet, sollte genauer hinsehen. Unsere drei Anlagestile – breites Indexieren, wissenschaftliches Faktorinvestieren und die Konzentration auf wenige Wertpapiere – haben nach unserer Überzeugung langfristig hohe Erfolgsaussichten, auch wenn jeder zwischenzeitlich enttäuschen kann. Die Dimensional World Allocation Portfolios liegen in allen sechs Bausteinen außerordentlich gut im Jahr, und der CT Global Technology Fund hat seine Juli-Verluste im August wieder wettgemacht: Es kann sich lohnen, an einer gewählten Strategie festzuhalten.

Den vollständigen Monatsbericht mit Bewertungsampel, Hochhauscharts und der Entwicklung unserer Musterportfolios stellen wir Ihnen auf Anfrage zur Verfügung.

Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

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Mario Becker
Gründer Das Family Office
m.becker@dasfamilyoffice.com

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