Die im April begonnene Kursrallye verbreiterte sich im Mai über nahezu alle Regionen und Sektoren, lediglich China, Indien und Vietnam hatten einen Durchhänger. Der Nasdaq 100 sowie die von Halbleiteraktien getriebenen Märkte in Südkorea und Taiwan eilten von Allzeithoch zu Allzeithoch, getrieben von der KI-Fantasie und den anstehenden Börsengängen von SpaceX, Anthropic und OpenAI. Das vielleicht deutlichste Zeichen: Selbst in die Jahre gekommene IT-Unternehmen wie Cisco Systems, Dell, IBM, Intel und Micron Technologies werden inzwischen als KI- und Quantencomputer-Gewinner gehandelt. Ihre Kursbilder gleichen Fahnenstangen – ein Hinweis darauf, dass hier viele unkritische Käufer aktiv sind, ähnlich wie zur Internetbegeisterung der späten 90er Jahre.
Unter der Oberfläche war das Bild breit und geordnet. Der Value-Faktor führte im Mai mit zweistelligen Kursgewinnen, gefolgt vom Momentumfaktor mit mehr als 8 %. Auch alle übrigen Faktoren legten zu. Die Dimensional World Allocation Modellportfolios verzeichneten einen außerordentlich guten Mai, da sie von der Stärke kleiner Firmen und der Übergewichtung des Value-Faktors profitieren. Dass aktives Management seinen Mehrwert zeigen kann, belegt der CT Global Technology Fund: Er liegt seit Jahresbeginn mit plus 47 % rund 28 Prozentpunkte vor dem Nasdaq 100. Dieses Resultat lässt sich wohl kaum jedes Jahr wiederholen. An den Anleihemärkten kam es nach einem schwachen April zur Erholung, vor allem bei langlaufenden Staatsanleihen und Anleihen aus Entwicklungsländern. Indizes mit normaler Duration liegen seit Jahresbeginn dennoch leicht im Minus. 2026 bleibt damit klar ein Aktienjahr.
Zwei Beobachtungen verdienen Aufmerksamkeit. Erstens sind die Bewertungen nicht mehr günstig. Nach der starken Rallye im April und Mai haben sich viele Unterbewertungen abgebaut. Der breite Markt lässt sich nüchtern als normalisiert, nicht als günstig beschreiben. Langfristige Geldanlage bleibt sinnvoll, doch es gibt nahezu keine Schnäppchen und niemand muss Angst haben, kurzfristig etwas zu verpassen. Zweitens mahnen Kalender und Geopolitik zur Zurückhaltung: Die saisonal schwächere Sommerperiode hat begonnen, der Krieg im Iran ist bei weitem nicht beendet, und erhöhte Öl- und Gaspreise könnten die Zentralbanken von weiteren Zinssenkungen abhalten. Denkbar ist, dass EZB und US-Notenbank die Zinsen leicht anheben. Die zweijährige amerikanische Staatsanleihe notiert wieder klar über 4 % p. a. und damit deutlich über dem Zielzins der Notenbank von 3,75 %. Diese Konstellation rechtfertigt keine Ausweitung der Risiken.
Zugleich bietet die Sicherheitsseite festen Boden. So liegendie aktuellen Renditen unserer Sicherheitsbausteine (FAIRHorizonte Lila bis Grün), unabhängig vom Anlagehorizont, über der erwarteten mittelfristigen Inflationsrate von etwa 2 % p. a.; selbst Geldmarktanlagen bieten Kaufkrafterhalt. Im Renditebereich entsprechen unsere Zielrenditen von 6 bis 8 % p. a. Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 14 und 17 – Niveaus, die in den meisten Segmenten weiterhin erreichbar sind. Nur der Nasdaq 100, der S&P 500 sowie der MSCI World und der MSCI World Quality liegen darunter und könnten in den kommenden Jahren entsprechend zurückbleiben. In Europa, Asien und den Entwicklungsländern hingegen liegen die Risikoprämien zwischen 7 und 8 % p. a. und bieten damit Grund genug, hier komfortabel auf der Käuferseite zu bleiben, auch wenn die Bewertungen nicht mehr so günstig sind wie Anfang April. Die Verlierer des Jahres 2025 – indische Aktien, Immobilienaktien (REITs), Quality-Faktor-ETFs und Quality-Manager, der Gesundheitssektor sowie gelistete Private-Equity-Gesellschaften – bleiben attraktiv bis sehr attraktiv.
Bei der Umsetzung bevorzugen wir Indexierung am Geldmarkt, aktives Management für die meisten Anleihestrategien und eine Kombination aus Indexieren und Stockpicking auf der Aktienseite. Wer mit frischem Geld schlicht die aktuellen Trends abbilden möchte, ist bei Value- und Multifaktor-Strategien weiterhin gut aufgehoben, deren Bewertungen nach wie vor günstig sind. Auf der Währungsseite bleibt Diversifikation in CHF, SGD, AUD und NOK ein nüchternes Werkzeug. Der US-Dollar pendelt zwischen 98 und 100 Punkten im DXY und erscheint angesichts der hohen US-Verschuldung und auf Basis der Kaufkraftparität strukturell anfällig. Rohstoffe lassen sich beimischen, einen Depotanteil von 10 bis 15 % würden wir dabei jedoch nicht überschreiten.
Bleibt die unspektakuläre Schlussfolgerung. Drei etablierte Anlagephilosophien – klassisches Indexieren in der Tradition Jack Bogles, faktorbasiertes Investieren nach Eugene Fama und Kenneth French sowie konzentrierte aktive Mandate im Geist von Warren Buffett, Charlie Munger und Henrik Bessembinder – funktionieren langfristig zuverlässig, auch wenn jede einzelne über kurze Zeiträume enttäuschen kann. Wer aus dieser Enttäuschung den Kurs wechselt, gibt genau das auf, wofür er die Strategie ursprünglich gewählt hat. Was stark steigt, kann auch stark fallen; die Disziplin, ein breit aufgestelltes Portfolio weitgehend in Ruhe zu lassen und lediglich Unwuchten auszugleichen, ist derzeit mehr wert als jeder Trend.
Den vollständigen Bericht mit Informationen zu den Modellportfolios und detaillierten Bewertungsübersichten stellen wir Ihnen auf Anfrage zur Verfügung.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.
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