Nachdem das erste Quartal vom Angriff auf den Iran dominiert war, beruhigten sich die Finanzmärkte im zweiten Quartal unerwartet schnell und entfachten eine an Hysterie grenzende Begeisterung für Halbleiterhersteller. Zu Nvidia und TSMC gesellten sich Namen, die traditionell eher mit technologiearmen Speicherchips in Verbindung gebracht werden: Micron Technologies, Samsung Electronics, Sandisk und SK Hynix. Sie gelten aktuell als die Gewinner des Aufbaus der KI-Infrastruktur und haben die vielgeliebten Magnificent 7, mit Ausnahme von Nvidia, als markttreibende Investments abgelöst. Firmen wie Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft gelten inzwischen sogar eher als "KI-Verlierer", da sie die hohen Kosten der Dateninfrastruktur schultern müssen, dafür ihre Liquidität ausschöpfen und sich am Anleihenmarkt verschulden. Damit ähneln sie den Telefongesellschaften, die in den 90er Jahren die Infrastruktur für Mobiltelefonie aufbauten und die großen Gewinne anderen überlassen mussten.
Für Anlegerinnen und Anleger ist die wichtigste Nachricht eine andere: Wer breit gestreut in die globalen Finanzmärkte investiert, war an diesen Trends längst beteiligt. Die extrem breit diversifizierten Faktorportfolios von Dimensional Fund Advisors konnten den MSCI AC World IMI und den FTSE Russell All World klar schlagen: Mit einem Plus von knapp 13 % zum Quartalsende liegen sie fast 2,5 % besser. Der MSCI World Value Faktor Index und der MSCI World Momentum Index übertrafen dieses Ergebnis noch, weil beide nennenswert in Halbleiteraktien gewichtet sind.
Die im April begonnene Rallye erfasste mit Ausnahme Chinas alle globalen Regionen und Sektoren. Unter den Länderindizes liegen zum Halbjahr nur noch Indien, China und Vietnam im Minus; dazu gesellen sich die Aktien von Gold- und Edelmetallproduzenten, die zur Jahresmitte zweistellige Kursverluste aufweisen. Die traditionellen Indexbausteine liegen mit zweistelligen Kursgewinnen bereits über ihren Langfristrenditen von 7 bis 9 % p. a.; die Länderindizes in Südkorea und Taiwan sowie der Halbleiterindex SOX notieren noch erheblich darüber, was einer Art Anlagehysterie gleichkommt. Auch die übrigen Faktoren lieferten: Der Faktor Firmengröße ist auf Basis des MSCI World Small Cap seit Jahresbeginn mit fast 20 Prozent klar im Plus und liegt 8 Prozentpunkte vor dem MSCI World AC IMI. Alle Value-Indizes (global, USA, Europa und Entwicklungsländer) konnten den Referenzindex sehr deutlich übertreffen, der Qualitätsfaktor reduzierte seine Underperformance, und die Multifaktorstrategie zog mit dem breiten Markt gleich. Auf der Anleihenseite folgte auf einen schwächeren April ein starker Mai und Juni, speziell bei lang laufenden Staatsanleihen und Anleihen von Entwicklungsländern. Seit Jahresbeginn sind damit nahezu alle Anleihenbausteine wieder im Plus.
Dazu trug maßgeblich der neue FED-Chef Kevin Warsh bei. Trotz seiner Ernennung durch Donald Trump wird er als Inflationsfalke wahrgenommen und hat mehrfach betont, konkret daran zu arbeiten, dass die Zielmarke von 2 % jährlicher Inflation nicht mehr dauerhaft übertroffen wird. Das war unerwartet: Die Anleihenmärkte hatten ursprünglich darauf spekuliert, dass Warsh trotz erhöhter Inflation nach Wegen für Zinssenkungen suchen würde. Die veränderte Einschätzung führte im Juniverlauf zu steigenden Anleihenkursen und einem starken US-Dollar, während Rohstoffe und vor allem Edelmetalle Kursverluste hinnehmen mussten. Der Goldpreis fiel unter seine 200-Tage-Linie bei etwa 4.400 USD je Feinunze und kämpft seither um die Marke von 4.000 USD; ein Rückgang bis zur starken Unterstützung bei etwa 3.500 USD ist vorstellbar, wobei bereits auf aktuellem Niveau nennenswertes Kaufinteresse zu beobachten ist.
Zur Euphorie gehört die Gegenrechnung. Viele Unterbewertungen haben sich in der Rallye stark abgebaut und der breite Aktienmarkt lässt sich kaum noch als günstig bezeichnen. Langfristige Geldanlage bleibt sinnvoll. Eile ist allerdings nicht geboten, denn verpasst wird auf diesen Bewertungsniveaus kurzfristig nichts. Auf der Zinsseite hat die EZB ihre Leitzinsen bereits erhöht, und da sich der neue FED-Chef als Inflationsfalke präsentiert, ist selbst eine leichte Anhebung in Amerika denkbar. Die zweijährige US-Staatsanleihe notiert wieder klar über 4 % p. a. und damit deutlich über dem Zielzins der Notenbank von 3,75 %. Schwache US-Arbeitsmarktdaten und eine weitere Beruhigung des Ölpreises könnten der FED allerdings die Möglichkeit geben, vorerst einfach nichts zu tun. Der Krieg im Iran ist derweil bei weitem nicht beendet, die Öl- und Gaspreise bleiben erhöht, und mit dem Sommerhalbjahr beginnt die Phase, in der die globalen Aktienmärkte üblicherweise etwas weniger Rendite verzeichnen als zwischen November und April. Bemerkenswert ist, was sich unter der Oberfläche verschiebt: Zum Quartalsende sind erste Anzeichen einer Sektorrotation aus Technologieaktien in günstiger bewertete Sektoren wie Gesundheit und Konsumgüter sichtbar. Wer sehr starke Gewichtungen im Halbleiterbereich hält, kann ein Rebalancing in Erwägung ziehen.
Ein Blick in unsere Hochhauscharts (Seiten 10–13 des vollständigen Berichts) ordnet die Rallye ein: Die Sicherheitsbausteine rentieren über die FAIRHorizonte Lila bis Grün hinweg oberhalb der erwarteten mittelfristigen Inflationsrate von etwa 2 % p. a., selbst Geldmarktanlagen bieten Kaufkrafterhalt. Der Großteil der Renditebausteine weist aktuell Bewertungen auf, die die avisierten Langfristrenditen von 6 bis 8 % p. a. ermöglichen. Ausnahmen sind der Nasdaq 100, der S&P 500 sowie der MSCI World und der MSCI World Quality Index, die in den kommenden Jahren hinter anderen Märkten zurückbleiben könnten. In Europa, Asien und den Entwicklungsländern liegen die Risikoprämien bei 7 bis 8 % p. a., auch wenn die Bewertungen nicht mehr so günstig sind wie zum Ende des ersten Quartals. Attraktiv bis sehr attraktiv bewertet bleiben dagegen die Nachzügler des Jahres 2025: indische Aktien, Immobilienaktien (REITs), Qualitätsfaktor-ETFs und Qualitätsmanager, gelistete Private-Equity-Gesellschaften sowie der Gesundheitssektor, der bereits von der Rotation aus dem Technologiesektor profitiert. Auch die Aktien von Edelmetall- und Kupferproduzenten sind nach der starken Korrektur im Juni sehr attraktiv und können als Portfoliobeimischung dienen. Bei Rohstoffen insgesamt spricht aus unserer Sicht einiges dafür, einen Depotanteil von 10–15 % nicht zu überschreiten.
Und die großen Linien? Indexieren in der Tradition Jack Bogles, Faktorinvestieren nach Eugene Fama und Kenneth French, konzentriertes aktives Investieren im Geist von Warren Buffett, Charlie Munger und Hendrik Bessembinder: Alle drei Philosophien haben im ersten Halbjahr geliefert, und jede von ihnen wird auch wieder Phasen durchlaufen, in denen sie enttäuscht. Anlegerinnen und Anleger fahren am besten, wenn sie bei ihren gewählten Anlagestilen bleiben und sie nicht aus Enttäuschung ändern. Selbst ein Ausnahmeergebnis wie das des CT Global Technology Fund, der seit Jahresbeginn mit plus 55 % insgesamt 33 Punkte vor dem Nasdaq 100 liegt, dürfte sich in dieser Form nicht schnell wiederholen lassen. Übertreibungen muss man weder feiern noch fürchten; es genügt, sie nicht zum Maßstab der eigenen Strategie zu machen.
Den vollständigen Quartalsbericht mit den detaillierten Bewertungsübersichten stellen wir Ihnen auf Anfrage gern zur Verfügung.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.
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